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Allergie auf Eier
Wenn
Hansi krank macht
Marie*
klagte seit Jahren über wiederkehrende Bauchschmerzen, Blähungen,
Durchfälle und Nesselsucht. Zweimal kam sie sogar wegen
unerklärlicher „Kreislaufzusammenbrüche" in die
Notaufnahme einer Klinik, wurde jedoch nach erfolgloser Magen-
und Darmspiegelung und ergebnislosen Laboruntersuchungen ohne
gesicherte Diagnose entlassen. Erst der Allergologe Professor
Dr. Ludger Klimek vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA)
brachte im Allergiezentrum in Wiesbaden die Ursache der
Beschwerden an den Tag: Das 10-jährige Mädchen leidet an
einer Allergie auf Ei-Proteine.
„Marie konnte nicht einmal hart gekochte Eier
vertragen. Sie durfte also auch Ostern keine gefärbten Eier
essen“, berichtet Klimek. Er empfiehlt, bei Verdacht auf
eine Nahrungsmittelallergie einen auf die Behandlung von
Allergien spezialisierten Facharzt aufzusuchen.
Ei-Allergien
gehören zu den häufigen Nahrungsmittelallergien des
Kindesalters. Die Sensibilisierung erfolgt über den
Magen-Darm-Trakt. 80 Prozent der Kinder entwickeln mit Beginn
des Schulalters eine Toleranz. Das heißt, sie „verlieren“
die Allergie wieder. Bei älteren Kindern, Jugendlichen und
Erwachsenen entwickelt sich eine Allergie auf Nahrungsmittel
vor allem durch Sensibilisierung über den Atemwegstrakt. Am
bekanntesten ist die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie
(Kreuzallergie) bei Pollenallergikern: Menschen mit einer
Allergie auf Baumpollen vertragen beispielsweise häufig kein
rohes Stein- und Kernobst sowie Haselnüsse. Die Pollen und
Nahrungsmittel haben gemeinsame oder sehr ähnliche allergene
Strukturen.
Ziervögel können Auslöser für eine
Ei-Allergie sein
Bei
Anke P.* trat im Alter von 45 Jahren stets ein stark juckender
Hautausschlag auf, wenn sie eihaltige Speisen oder bestimmte Müsliriegel
aß. Sie vertrug plötzlich keine Eier mehr. Anke P. erhielt
eine Überweisung in die Allergologieabteilung des
Johanniterkrankenhauses in Treuenbrietzen. Dort versuchte die
Chefärztin Dr. Uta Rabe vom
ÄDA, den Grund für die plötzliche Ei-Unverträglichkeit
herauszufinden. „Meine Patientin erzählte, dass sie bereits
seit 17 Jahren einen Wellensittich in ihrem Wohnzimmer hielt.
Ziervögel können eine Allergieursache sein“, berichtet
Rabe. Sie ließ das Blut der Patientin auf IgE-Antikörper
untersuchen, die spezifisch für Wellensittichserum und
Wellensittichkot sind. Auch die für Eigelb und Eiweiß
spezifischen IgE-Konzentrationen wurden ermittelt. Alle diese
Antikörper waren bei Anke P. stark erhöht. Ein Hauttest
zeigte eine starke Reaktion auf rohes Eigelb und rohes Eiweiß,
aber keine Reaktion auf Eiweiß und Eigelb von einem hart
gekochten Ei. In der allergologischen Abteilung aß die
Patienten anschließend unter engmaschiger medizinischer Überwachung
in ansteigender Menge ein gekochtes Eiweiß und ein hart
gekochtes Eigelb. Sie vertrug das ganze Ei ohne Probleme.
„Dieser Test war wichtig für die Lebensqualität der
Patientin. Auf Speisen, bei deren Zubereitung die Eier stark
erhitzt werden, braucht sie nicht zu verzichten. Aber andere
Eierspeisen muss sie ab jetzt natürlich strikt meiden“, so
Rabe.
Warum
verträgt ein Jugendlicher oder Erwachsener plötzlich kein Ei
mehr? „Die Ursache kann tatsächlich ein als Haustier
gehaltener Vogel sein“ erklärt die Allergologin Uta Rabe.
„Besonders der Kot und das Blutserum von Vögeln enthalten
eine allergene Struktur, die auch im Eidotter vorkommt. Dieses
Allergen ist bis zu 70°Celsius gegen Hitze stabil. Menschen,
die zu Hause einen Wellensittich, Kanarienvogel oder andere
Ziervögel halten, können auch im Erwachsenenalter durch
Einatmen von Vogelallergenen aus Federstaub, getrocknetem Kot
oder Urin eine Allergie auf Hühnerei entwickeln. Ärzte
sprechen dann von einem Vogel-Ei-Syndrom. Es gibt
Beschreibungen, dass dieses Syndrom auch auftreten kann, wenn
die Vogelhaltung viele Jahre zurückliegt.“
Symptome
des Vogel-Ei-Syndroms können neben Hautbeschwerden auch
Niesreiz, Augenjucken, Reizhusten und Atemnot sein. Menschen
mit einem Vogel-Ei-Syndrom spüren die Sensibilisierung an den
Atemwegen nicht immer. Oftmals haben sie keine Beschwerden,
wenn sie sich mit ihrem Vogel im Zimmer aufhalten, vertragen
aber plötzlich kein Ei mehr. Nach dem Genuss von Eierspeisen
tritt Juckreiz an der Haut oder im Mund auf. Häufig wird die
Ursache dieser Unverträglichkeit nicht oder sehr spät
erkannt. „Bei Vogelhaltern mit plötzlichen
Lebensmittelunverträglichkeiten sollte der behandelnde Arzt
daran denken, dass ein Vogel-Ei-Syndrom die Ursache sein
kann“ empfiehlt Dr. Uta Rabe aus Treuenbrietzen. Sie warnt
gerade Menschen vor dem unabsichtlichen Essen von eihaltigen
Produkten, die auf den Genuss von Ei-Produkten mit heftigen
Allergiesymptomen reagieren. „Eier sind in vielen
Lebensmitteln versteckt enthalten, beispielsweise in
Mayonnaise, Baisers, panierten Nahrungsmitteln und
Cremespeisen. Manche Ei-Allergiker vertragen jedoch Eiprodukte
und hart gekochte Eier, wenn sie über längere Zeit mehr als
70°Celsius erhitzt werden.“
*Namen
geändert
weiter
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