Was tun
bei Gräser- oder Roggenpollenallergie?
Gräserpollenalarm
im Frühsommer
„Gräser-
und Roggenpollenallergiker müssen 2008 mit einem Frühstart
der Hauptpollenflugzeit rechnen“, prognostiziert
Medizin-Meteorologe Dr. Klaus Bucher vom Deutschen
Wetterdienst in Freiburg. Bereits in der vorletzten
Aprilwoche schwirrten aufgrund der warmen Witterungsverhältnisse
vereinzelt die ersten Gräserpollen durch den Wind
getragen in der Luft. „Jetzt, Anfang Mai werden die
meisten Gräsersorten voraussichtlich richtig loslegen und
eine hohe Allergenkonzentration in Form von Pollen
freisetzen“, warnt Bucher. Im Juni, wenn die Fußball-Europameisterschaft
und die Grillsaison ihren Höhepunkt erreichen, wird auch
die Konzentration von Gräser- und Roggenpollen maximal
sein. Das Ende der Heuschnupfensaison für Gräserallergiker
ist mittlerweile in den späten Herbst gerückt, wie der
im Februar 2008 aktualisierte Pollenflugkalender der
Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst zeigt (www.pollenstiftung.de).
Auf der Homepage des Deutschen Wetterdienstes (www.dwd.de/pollenflug)
können Betroffene außerdem eine grafische Darstellung
der Pollenflugvorhersage sowie eine Pollenstatistik
finden.
In Zukunft noch mehr
Heuschnupfenallergiker
Die
Häufigkeit allergischer Erkrankungen hat sich in den
letzten 20 Jahren fast verdoppelt. Die Ursache hierfür
ist nicht eindeutig geklärt.1 „An vorderster
Stelle vieler Faktoren steht die Umweltverschmutzung, wie
eine erhöhte Feinstaubbelastung“, weiß Privat-Dozentin
Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, Allergologin aus München und
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und
Klinische Immunologie (DGAKI). Tests mit Mäusen zeigten
bereits, dass Feinstaub eine allergische Reaktion verstärken
kann. An Feinstaub gebundene Allergie-auslösende Proteine
– die Allergene – können darüber hinaus tiefere
Lungenabschnitte erreichen als das Pollenkorn. Dieses ist
zu groß sind, um in die Lunge zu gelangen. Zudem werden
in Städten, wo die Luftverschmutzung größer ist als in
ländlichen Gegenden, höhere Allergieraten beobachtet.
„Seit
etwa zehn Jahren wissen wir, dass neben der
Umweltbelastung auch der Klimawandel ein Grund für die
Zunahme von Pollenallergien ist“, fügt Traidl-Hoffmann
hinzu. „Höhere Temperaturen führen nicht nur zu längeren
und frühzeitigeren Blühphasen, sondern fatalerweise auch
zu neuen oder aggressiveren Pollensorten wie die der
Ambrosia-Pflanze.“ Die Privat-Dozentin des Zentrums
Allergie und Umwelt der Technischen Universität München
(ZAUM) glaubt, dass Heuschnupfen-geplagte zukünftig das
ganze Jahr über mit einer Pollenbelastung rechnen müssen.
Zurzeit
leiden 15 bis 25 Prozent der erwachsenen Bundesbürger an
einem allergischen Schnupfen. Eine Datenauswertung der
International Study of Asthma and Allergies in Childhood
(ISAAC) von 2006 hat ergeben, dass 6,9 Prozent der Sechs-
bis Siebenjährigen und 15 Prozent der 13- bis 14-jährigen
Jugendlichen an Heuschnupfen erkrankt sind.2
Bei etwa der Hälfte der Heuschnupfenkranken sind Gräserpollen
die Allergieauslöser. Ständiges Niesen, Augenjucken oder
gar Atemnot gehören zu den häufigsten Symptomen eines
allergischen Schnupfens.
Stopp dem Heuschnupfen durch Immuntherapie
und Medikamente
Das
Meiden der Allergene ist die beste Möglichkeit,
allergische Reaktionen zu minimieren. Dies ist jedoch für
Pollenallergiker nur schwer zu praktizieren. Deshalb
verordnen allergologisch tätige Fachärzte Betroffenen
beispielsweise Antihistamin-Tabletten und
Kortison-Nasensprays, um die Symptome zu lindern. „Die
Angst vor einer Behandlung mit Kortikosteroiden ist völlig
unbegründet. Die heute eingesetzten Präparate weisen
keine schweren Nebenwirkungen mehr auf“, beruhigt
Professor Dr. Wolfgang Czech, Präsident des Ärzteverbandes
Deutscher Allergologen (ÄDA). „Hilft die medikamentöse
Therapie nicht ausreichend, die allergischen Reaktionen zu
unterdrücken, rate ich dringend zu einer spezifischen
Immuntherapie.“
Die
spezifische Immuntherapie (SIT) ist die einzige ursächlich
wirksame Therapie gegen Heuschnupfen. Gleichzeitig kann
sie einem so genannten „Etagenwechsel“ zum
allergischen Asthma vorbeugen. Üblicherweise erfolgt eine
SIT über drei Jahre. Der Arzt spritzt die Allergene in
regelmäßigen Abständen unter die Haut. Das Immunsystem
gewöhnt sich langsam an den Allergieauslöser und wird
dadurch wieder unempfindlicher.
Die SIT hat bei einer Gräserpollenallergie eine
Erfolgsrate von über 80 Prozent. Laut Czech vom ÄDA habe
sich diese Therapiemöglichkeit in Deutschland seit
Jahrzehnten etabliert. Sie müsse jedoch noch häufiger
– auch bei Kindern und Jugendlichen – in Erwägung
gezogen werden.
Neue Therapiemöglichkeit hilft
Erwachsenen und bald Kindern ebenso
Neu
ist die Möglichkeit einer SIT in Form von Tabletten: Seit
November 2006 ist eine Gräser-Impf-Tablette in
Deutschland zur Behandlung von Gräser- oder
Roggenpollenallergien bei Erwachsenen zugelassen.
Optimistisch äußert sich der Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und
Umweltmedizin (GPA) Professor Dr. Albrecht Bufe bezüglich
einer Zulassung der Tablette für Kinder und Jugendliche:
„Die ersten Studienergebnisse zeigten eine gute
Wirksamkeit der Gräser-Impf-Tablette auch bei jungen
Patienten mit einer diagnostizierten Gräserpollenallergie.“
Aufgrund ihres guten Nutzen-Risiko-Profils sei die
Tabletten-Immuntherapie für Kinder und Jugendliche sehr
von Interesse.
Die
gefriergetrocknete (lyophilisierte) Gräser-Impf-Tablette
enthält eine definierte Menge an Allergenen des
Wiesenlieschgrases (Phleum
pratense). Der Allergiker kann diese selbst einmal täglich
unter die Zunge legen, wo sich die Tablette innerhalb
weniger Sekunden auflöst und die Wirksubstanz freisetzt.
Die Allergene wirken dann über die Mundschleimhaut auf
sein Immunsystem. „Die Therapie mit der Gräser-Impf-Tablette
ist einfach zu Hause durchführbar und eignet sich vor
allem für Gräser- und Roggenpollenallergiker mit Angst
vor Spritzen oder Zeitmangel. So können weitaus mehr
Heuschnupfen-Betroffene an eine spezifische Immuntherapie
herangeführt werden als bisher“, bemerkt Professor Dr.
Claus Bachert, Präsident der DGAKI.
Kreuzreaktivität unter Süßgräsern
Allergologen
nutzen das Phänomen Kreuzreaktivität häufig für eine
spezifische Immuntherapie – für viele Allergiker ist es
hingegen eher lästig, dass dieses Thema überhaupt
existiert. Sind nämlich die Oberflächenstrukturen zweier
unterschiedlicher Allergene sehr ähnlich, können
spezielle Antikörper (IgE-Antikörper) des Immunsystems
diese nicht voneinander unterscheiden.3,4
„Ein Heuschnupfenpatient, der beispielsweise gegen Gräserpollenallergene
sensibilisiert ist, reagiert oft auch allergisch auf den
Genuss von Getreide und Hülsenfrüchte wie Soja und Erdnüsse“,
erklärt Czech vom ÄDA. „Dieses Phänomen wird als
Kreuzallergie oder Pollen-assoziierte
Nahrungsmittelallergie bezeichnet.“ Eine hohe
Kreuzreaktivität besteht ebenfalls unter den zahlreichen
Gräsersorten. Alle Süßgräser bilden botanisch eine
Familie. 95 Prozent der Gräser- und Getreidearten gehören
zu nur drei Unterfamilien. Botanisch sehr eng verwandt
sind beispielsweise Roggen, Weizen, die Rispen- und Knäuelgräser
und das Wiesenlieschgras.
Aufgrund
der Kreuzallergenität von Süßgräsern ist eine
spezifische Immuntherapie mit dem Allergen Phl p 5
aus dem Wiesenlieschgras auch bei einer Allergie gegen
andere Gräser und Roggen erfolgreich sein. Untersuchungen
belegen, dass eine Immuntherapie mit Phl p 5
vollständig die IgE-Antikörper-Bindung gegenüber
anderen Gräserpollenallergenen hemmt und so das
Immunsystem auch an diese gewöhnt. 3,5
1.
Ring J, et al.: Why are allergies increasing? Curr
Opin Immunol 2001; 13:701-708
2.
Asher MI, et al.: Worldwide time trends in the
prevalence of symptoms of asthma, allergic
rhinoconjunctivitis, and eczema in childhood: ISAAC Phases
One and Three repeat multicountry cross-sectional surveys.
Lancet 2006;368(9357):733-743
3.
Weber RW: Cross-reactivity of pollen allergens:
recommendations for immunotherapy vaccines. Curr Opin Allergy Clin
Immunol. 2005;5(6):563-369
4.
Laffer S, et al.: Complementary DNA cloning of the
major allergen Phl p 1 from timothy grass (Phleum pratense);
recombinant Phl p 1 inhibits IgE binding to group I
allergens from eight different grass species. J Allergy
Clin Immunol. 1994;94(4):689-698
5.
Kleine-Tebbe J, et al.: Kreuzallergenität bei Süßgräsern:
Konsequenzen für Diagnostik und Therapie. Abstract für
2. Gemeinsamen Deutschen Allergie-Kongress Lübeck 2007
Stopp
dem Heuschnupfen durch Immuntherapie
Die Häufigkeit allergischer Erkrankungen hat
sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt. "Seit
etwa zehn Jahren wissen wir, dass neben der Umweltbelastung
auch der Klimawandel ein Grund für die Zunahme von
Pollenallergien ist", sagt Privat-Dozentin Dr. Claudia
Traidl-Hoffmann von der Deutschen Gesellschaft für
Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). "Höhere
Temperaturen führen nicht nur zu längeren und
frühzeitigeren Blühphasen, sondern fatalerweise
auch zu neuen oder aggressiveren Pollensorten wie die
des Traubenkrauts." Heute leiden bereits 15 bis 25
Prozent der erwachsenen Bundesbürger an einem allergischen
Schnupfen. Eine Datenauswertung der International Study
of Asthma and Allergies in Childhood (ISAAC) von 2006
hat ergeben, dass 15 Prozent der 13- bis 14-jährigen
Jugendlichen an Heuschnupfen erkrankt sind. Allergologisch
tätige Fachärzte raten dringend zu einer spezifische
Immuntherapie (SIT). Sie ist die einzige ursächlich
wirksame Therapie gegen den Heuschnupfen und hat bei einer
Gräserpollenallergie eine hohe Erfolgsrate.
Foto: ALK-SCHERAX Arzneimittel GmbH
Gräserpollenalarm im
Frühsommer
Die Häufigkeit allergischer Erkrankungen hat
sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt. Zurzeit
leiden 15 bis 25 Prozent der erwachsenen Bundesbürger
an einem allergischen Schnupfen. Bei etwa der Hälfte
der Betroffenen sind Gräserpollen die Allergieauslöser.
Ständiges Niesen, Augenjucken oder gar Atemnot gehören
zu den häufigsten Symptomen eines allergischen Schnupfens.
Das Meiden der Allergene ist die beste Möglichkeit,
allergische Reaktionen zu minimieren, aber häufig
nur schwer zu praktizieren. Deshalb verordnen allergolo-gisch
tätige Fachärzte Betroffenen beispielsweise
Antihistamin-Tabletten und Kortison-Nasensprays gegen
die Symptome. Einzige ursächlich wirksame Therapie
gegen den Heu-schnupfen ist jedoch die spezifische Immuntherapie.
Sie kann gleichzeitig einem so genannten "Etagenwechsel"
zum allergischen Asthma vorbeugen.
Grafik: ÄDA/DGAKI/GPA; Bild: photocase.com